ZiviZ: Neue Erkenntnisse für Fördervereine

Die ZiviZ-Sonderauswertung “Bildungsengagement in Deutschland: Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven von Kita- und Schulfördervereinen” ist jetzt öffentlich. Die Studie beleuchtet die Strukturmerkmale von Kita- und Schulfördervereinen, die Ressourcen der Engagierten und der Fördervereine sowie die Bedarfe des Bildungsengagements.  Die Ergebnisse werden vor allem zu strategischer Weiterentwicklung eingesetzt: Kita- und Schulfördervereine sollen unterstützt und gestärkt werden. Parallel soll transparent werden, wie wichtig das gesellschaftliche Engagement im Bildungssystem ist. 

Die Studie wurde von der Stiftung Bildung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zivilgesellschaftsforschung (ZiviZ) veröffentlicht. Gefördert wurde sie von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE). 

Die Studie richtet sich an ein breites Spektrum von Akteur*innen: Sie liefert Orientierungswissen für Entscheidungsträger*innen auf Bundes- und Länderebenen sowie in staatlichen Bildungseinrichtungen, für ehrenamtlich Engagierte in Bildungsfördervereinen, für die Verbände der Kita- und Schulfördervereine auf Landes- und Bundesebene, sowie für die Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Darüber hinaus soll sie der Politik Einblicke in die vielfältige Landschaft der Bildungsfördervereine in Deutschland bieten und Orientierung geben, wie die Rahmenbedingungen für die Arbeit von Bildungsfördervereinen verbessert werden können. 

Die zentralen Erkenntnisse 

▶ In Deutschland gibt es rund 32.000 Kita- und Schulfördervereine 

Zwei Drittel der Fördervereine sind in Schulen, rund ein Drittel in Kitas und Kindergärten. 

▶ Hohe Gründungsdynamik bei Kitafördervereinen 

Seit 1990 ist die Gründung von Kitafördervereinen kontinuierlich gestiegen, Gründungen von Fördervereinen an Schulen blieben konstant.  

▶ Bildungsfördervereine haben Potentiale in der Mitgliedergewinnung und -bindung 

▶ Zwei Drittel der Bildungsfördervereine berichten von gleichbleibenden Engagiertenzahlen 

▶ Die Hälfte der Bildungsfördervereine hat jährliche Einnahmen bis 4.000 Euro 

Die meisten Bildungsfördervereine verfügen über sehr begrenzte finanzielle Mittel. 71 Prozent von ihnen nahmen im Haushaltsjahr 2021 maximal 10.000 Euro ein. Viele Bildungsfördervereine verfügen allerdings noch über deutlich weniger als 10.000 Euro Gesamteinnahmen im Jahr. So haben 50 Prozent der Bildungsfördervereine Einnahmen von 4.000 Euro oder weniger. 

▶ Bildungsfördervereine sind in der digitalen Kommunikation mit Förderinstitutionen und Spendenden gut aufgestellt – Ausbaupotential gibt es im Bereich der digitalen Öffentlichkeitsarbeit 

▶ Etwa ein Drittel der Bildungsfördervereine ist im Klimaschutz aktiv oder plant entsprechende Angebote 

▶ Drei Viertel der Bildungsfördervereine sehen sich gut oder teilweise gut für zukünftige Krisen gewappnet 

▶ Die kulturelle und soziale Vielfalt in Bildungsfördervereinen bietet Chancen – mehrheitlich sind Frauen engagiert 

Empfehlungen 

▶ Stärkung der Unterstützungsstrukturen der Verbände der Kita- und Schulfördervereine 

Das ehrenamtliche Bildungsengagement vor Ort ist mit hohen Belastungen und Herausforderungen konfrontiert. So können Weiterbildungsangebote für freiwillig Engagierte, die Bereitstellung von Ressourcen und die Schaffung von Plattformen für den Austausch und die Vernetzung dazu beitragen, die Effektivität der Arbeit von Engagierten zu erhöhen und ihre Belastung zu reduzieren. 

▶ Ausbau der digitalen Öffentlichkeitsarbeit zur Gewinnung neuer Engagierter 

Viele Bildungsfördervereine stehen vor der Herausforderung, genügend Mitglieder und Engagierte für ihre Arbeit zu gewinnen. Um diesem Problem entgegenzuwirken sollten Fördervereine ihre Öffentlichkeitsarbeit digital ausbauen.   Dies kann beispielsweise durch die Nutzung von Social-Media-Plattformen, regelmäßige Aktualisierungen der Website sowie die Organisation von Online- und Informationsveranstaltungen erreicht werden. 

▶ Mit kultureller und sozialer Vielfalt mehr Chancengerechtigkeit schaffen 

Die meisten Bildungsfördervereine zeichnen sich bislang durch eine (eher) ähnliche soziale und kulturelle Prägung aus, was dazu führen kann, dass sie nach außen oft als geschlossene Gemeinschaften wahrgenommen werden. Die Integration von Diversität innerhalb des Vereins kann jedoch wesentlich dazu beitragen, Menschen aus verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen anzusprechen und für eine Mitgliedschaft oder ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.     

▶ Zugänge zu öffentlichen Fördermitteln erleichtern 

Künftig sollte verstärkt darauf geachtet werden, im Portfolio der Förderprogramme auch niedrigschwellige Angebote zu schaffen, die wenig bürokratischen Aufwand mit sich bringen und kleinen Vereinen erlauben, sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.  

▶ Klimaschutz als ein bedeutendes Querschnittsthema anerkennen und ausbauen 

Bildungsfördervereine können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die überwiegende Mehrheit der Bildungsfördervereine engagieren sich jedoch nicht für den Klimaschutz. Hier sollte das Thema Klimaschutz stärker als Querschnittaufgabe verstanden werden.Es braucht die Zivilgesellschaft als Ganzes, damit die Transformation hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft gelingen kann. Gerade Bildungsfördervereine können als wichtige Förderpartner von Kitas und Schulen ihren Einfluss nutzen, um das Bildungs- und Projektangebot im Klimaschutzbereich auszubauen. 

▶ Krisenresilienz ausbauen 

Neben der Erweiterung der digitalen Öffentlichkeitsarbeit sollten Bildungsfördervereine somit die digitale Transformation ihrer Vereinsprozesse fördern. Dies umfasst unter anderem die Online-Koordination von Mitgliedern und Engagierten und die Entwicklung digitaler Aktivitäten und Angebote. 

>> Download der ZiviZ-Sonderauswertung