Warum Politik genauer hinschauen sollte

Kita- und Schulfördervereine gehören zu den wichtigsten Trägern bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland. Täglich setzen sich Eltern, Großeltern, Ehemalige und viele weitere Ehrenamtliche dafür ein, dass Kinder und Jugendliche bessere Bildungs- und Entwicklungschancen erhalten. Sie finanzieren Projekte, ermöglichen Anschaffungen, unterstützen Klassenfahrten, organisieren Veranstaltungen und schaffen Angebote, die das Leben in Kitas und Schulen bereichern. Dieses Engagement ist unverzichtbar und doch wird seine Bedeutung politisch noch immer unterschätzt. 

Fördervereine springen dort ein, wo öffentliche Mittel nicht ausreichen oder notwendige Maßnahmen an bürokratischen Hürden scheitern. Sie schaffen Freiräume für Innovationen, fördern Gemeinschaft und ermöglichen Teilhabe. Vor allem aber bringen sie Menschen zusammen, stärken die Identifikation mit Kita und Schule und fördern eine Verantwortungsgemeinschaft, von der Kinder, Familien und Bildungseinrichtungen gleichermaßen profitieren. 

Doch eines darf dabei nicht aus dem Blick geraten: Ehrenamt ist kein Ersatz für staatliche Verantwortung. 

Wenn Fördervereine zunehmend Aufgaben übernehmen müssen, die eigentlich staatlich finanziert werden sollten, gerät das Gleichgewicht ins Wanken. Bürgerschaftliches Engagement lebt von Freiwilligkeit, Eigeninitiative und Freude am Mitgestalten und nicht davon, strukturelle Defizite im Bildungssystem dauerhaft auszugleichen. 

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Ehrenamtlichen. Vereinsrecht, Datenschutz, Fördermittelmanagement, Versicherungsfragen und die Gewinnung neuer Vorstandsmitglieder verlangen heute ein hohes Maß an Fachwissen und Zeit. Viele Engagierte leisten dies neben Beruf und Familie, oft ohne professionelle Unterstützung. 

Wer das Ehrenamt stärken will, muss deshalb auch die Fördervereine stärken. Sie brauchen politische Anerkennung, verlässliche Beratungs- und Unterstützungsangebote, weniger bürokratische Belastungen und rechtliche Rahmenbedingungen, die ehrenamtliches Engagement erleichtern statt erschweren. 

Der BSFV fordert Bund, Länder und Kommunen auf, die Arbeit der Kita- und Schulfördervereine endlich als das anzuerkennen, was sie ist: ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Bildungslandschaft. Wer mehr Bildungsgerechtigkeit, mehr Teilhabe und starke Bildungseinrichtungen will, muss auch diejenigen unterstützen, die sich jeden Tag ehrenamtlich dafür einsetzen. 

Starke Fördervereine entstehen nicht von selbst. Sie brauchen Wertschätzung, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Politik, die Ehrenamt nicht als selbstverständlich hinnimmt, sondern als gesellschaftliche Ressource aktiv stärkt. 

Gute Bildung ist eine gemeinsame Aufgabe. Die Verantwortung dafür bleibt jedoch in erster Linie eine staatliche. Deshalb sollte die Politik bundesweit genauer hinschauen!